{"id":583,"date":"2026-02-01T18:02:52","date_gmt":"2026-02-01T16:02:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/?page_id=583"},"modified":"2026-02-09T12:08:55","modified_gmt":"2026-02-09T10:08:55","slug":"konkrete-kunst-prof-eugen-gomringer","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/konkrete-kunst-prof-eugen-gomringer\/","title":{"rendered":"Museum Kunsthaus Rehau, Kunstverein Rehau,  Kunstsammlung und Ausstellung mit Werken von Thomas Peter Kausel"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_3234\" style=\"width: 590px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Kunst-Bilder-000159.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3234\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-3234\" src=\"http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Kunst-Bilder-000159-859x1024.jpg\" alt=\"konkrete malerei\" width=\"580\" height=\"691\" srcset=\"http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Kunst-Bilder-000159-859x1024.jpg 859w, http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Kunst-Bilder-000159-252x300.jpg 252w, http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Kunst-Bilder-000159-768x915.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3234\" class=\"wp-caption-text\">Konkrete Malerei im Kunsthaus Rehau. Einzelausstellung Thomas P. Kausel mit Prof. Eugen Gomringer<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_7427\" style=\"width: 590px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_1093-scaled.jpeg\" data-rel=\"lightbox-image-1\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7427\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-7427 size-large\" src=\"http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_1093-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"580\" height=\"435\" srcset=\"http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_1093-1024x768.jpeg 1024w, http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_1093-300x225.jpeg 300w, http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_1093-768x576.jpeg 768w, http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_1093-1536x1152.jpeg 1536w, http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_1093-2048x1536.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7427\" class=\"wp-caption-text\">Kunstsammlung Kunsthaus Rehau.<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_7428\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Sammlung-Gomringer.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-2\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7428\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-7428 size-full\" src=\"http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Sammlung-Gomringer.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"186\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7428\" class=\"wp-caption-text\">Kunstsammlung Kunsthaus Rehau<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_7442\" style=\"width: 590px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_4346.jpeg\" data-rel=\"lightbox-image-3\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7442\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-7442 size-large\" src=\"http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_4346-1024x643.jpeg\" alt=\"\" width=\"580\" height=\"364\" srcset=\"http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_4346-1024x643.jpeg 1024w, http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_4346-300x188.jpeg 300w, http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_4346-768x482.jpeg 768w, http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_4346-1536x964.jpeg 1536w, http:\/\/www.kausel.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_4346-2048x1285.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7442\" class=\"wp-caption-text\">Kunstsammlung Kunsthaus Rehau, Prof. Eugen Gomringer<\/p><\/div>\n<p>Zu den Arbeiten von Thomas P. Kausel<\/p>\n<p>Konkrete Kunst &#8211; Elementare Kunst<\/p>\n<p>von Eugen Gomringer<\/p>\n<p>Die fortgesetzten theoretischen Untersuchungen der Farbordnungssysteme,<\/p>\n<p>ausgehend von den knapp 200 weltweit bekannten Pigmenten hoher Licht-<\/p>\n<p>echtheit, durch Thomas P. Kausel und deren Anwendung in der eigenen<\/p>\n<p>Malerei werfen ein bestimmtes Licht auf Begriff und Praxis der Konkreten<\/p>\n<p>Kunst. In seiner Grundsatzerkl\u00e4rung mit der der Josef-Albers-Didaktik ent-<\/p>\n<p>lehnten \u00dcberschrift &#8222;Welches ist das blaueste Blau?&#8220; sieht sich Kausel zwar<\/p>\n<p>im gro\u00dfen Rahmen der Konkreten Kunst, wobei er jedoch der historischen<\/p>\n<p>Forderung &#8222;Die Befreiung vom Naturvorbild&#8220;. die &#8222;gleichzeitige Unterwer-<\/p>\n<p>fung unter neue Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, z.B. unter ein Farbordnungssystem&#8220;<\/p>\n<p>folgen l\u00e4sst. Damit ist der alte Rahmen sowohl akzeptiert wie auch auf eine<\/p>\n<p>neue Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit hin ge\u00f6ffnet. Mehr noch: Was sich zum Beispiel bei<\/p>\n<p>Georg Schmidt 1944 in Basel noch als &#8222;gebunden an die Naturgesetze&#8220; liest,<\/p>\n<p>erh\u00e4lt durch die Formulierung von Kausel eine pragmatische Thematik.<\/p>\n<p>Es fragt sich in der Folge, ob der alte Begriff der Konkreten Kunst durch<\/p>\n<p>Kausels Untersuchungen und nicht weniger Grenz\u00fcberschreitungen anders<\/p>\n<p>operierender K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler \u00fcberhaupt noch haltbar bzw. sinn-<\/p>\n<p>voll ist. Es besteht die seltsame Situation, dass der Begriff &#8222;Konkrete Kunst&#8220;<\/p>\n<p>-fast \u00fcber Erwarten m\u00f6chte man sagen &#8211; zu einem festen Begriff geworden<\/p>\n<p>ist und oft unreflektiert weitherum Verwendung findet. Dabei ist daran zu<\/p>\n<p>erinnern, dass die Bef\u00fcrworter der strengsten Auffassung, wie die<\/p>\n<p>K\u00fcnstler aus der Reihe der sogenannten &#8222;Z\u00fcrcher Konkreten&#8220;, ihre Ausstellungen<\/p>\n<p>anf\u00e4nglich &#8211; 1944 und 1945 &#8211; unter dem Thema &#8222;abstrakt-konkret&#8220; durch-<\/p>\n<p>f\u00fchrten und dass man, als man sich von der Abstraktion endg\u00fcltig abge-<\/p>\n<p>zweigt hatte, die Bezeichnung &#8222;konkret&#8220; ebenfalls schon bald obsolet wer-<\/p>\n<p>den lie\u00df. Die echten Konkreten waren die ersten, die den Begriff fallen lie-<\/p>\n<p>\u00dfen zugunsten genauerer Bezeichnungen. Schon 1957 hatte sich auch der<\/p>\n<p>f\u00fchrende Theoretiker der jungen Malergeneration, Karl Gerstner, von ihm<\/p>\n<p>verabschiedet bzw. brauchte ihn nur noch &#8222;behelfsm\u00e4\u00dfig&#8220; und quasi als<\/p>\n<p>Hommage an Hans Arp.<\/p>\n<p>Die heute wahrzunehmende nachtr\u00e4gliche Verfestigung des Begriffs<\/p>\n<p>&#8222;Konkrete Kunst&#8220; k\u00f6nnte mit einem &#8222;also doch&#8220; abgeschlossen werden, um<\/p>\n<p>das Theoriegeb\u00e4ude befriedigt sich selbst zu \u00fcberlassen, wenn es nicht gera-<\/p>\n<p>de dieser Bewegung eigen w\u00e4re, neue Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten als ihr Agens und<\/p>\n<p>glaubw\u00fcrdige \u00dcberzeugung h\u00f6her einzusch\u00e4tzen als alles Einhalten formaler<\/p>\n<p>Regeln (was diese aber nicht ausschlie\u00dft). Tats\u00e4chlich hat sich im Lauf der<\/p>\n<p>Jahrzehnte vielerlei abgespielt, was sich kaum noch unter &#8222;Konkreter<\/p>\n<p>Kunst subsumieren lie\u00df, aber dennoch setzte sich der Begriff nun einmal<\/p>\n<p>durch. Er war da und er lie\u00df sich als Gegensatz zur Abstraktion auch dort<\/p>\n<p>verkaufen, wo, wie gesagt, \u00fcber diese Dinge nicht reflektiert wird.<\/p>\n<p>Wenn jedoch ein K\u00fcnstler wie Kausel mit der Malerei einsetzt, bevor die-<\/p>\n<p>se ein formales Programm realisiert, also mit dem Stoff der Malerei selbst<\/p>\n<p>zum Bild gelangt, muss das Fundament des Konkreten auf alle F\u00e4lle tiefer<\/p>\n<p>gelegt werden. Darin wird \u00fcbrigens eine Parallele ersichtlich zum Prozess<\/p>\n<p>der Herstellung einer Installation, welchen der Schreibende einmal mit der<\/p>\n<p>Metapher beschrieb: &#8222;Konkrete Kunst beginnt mit dem Gang zum Bau-<\/p>\n<p>markt, wo die richtigen Schrauben eingekauft werden&#8220;. Auch in diesem Fall<\/p>\n<p>werden die ersten Ma\u00dfnahmen vor der eigentlichen Konstruktion als kon-<\/p>\n<p>krete geistige wie stoffliche Leistung bewertet. Die Beispiele der Malerei<\/p>\n<p>von Kausel wie dasjenige der Installation zeigen auf, dass dem Begriff des<\/p>\n<p>Konkreten in der Konkreten Kunst nicht nur die fr\u00fchen Zweifel der F\u00fcnfzi-<\/p>\n<p>gerjahre des letzten Jahreshunderts anh\u00e4ngen, sondern dass auch, aktuell, das<\/p>\n<p>Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, welche Rolle das Konkret ein der Konkreten Kunst<\/p>\n<p>spielt, neue zu definieren ist.<\/p>\n<p>Thomas P. Kausel fordert in seiner programmatischen Erkl\u00e4rung, dass sich<\/p>\n<p>Konkrete Kunst in der Malerei zum Beispiel dem Farbordnungssystem der<\/p>\n<p>200 Pigmente hoher Lichtechtheit &#8211; total sind es 600 Pigmente &#8211; unterwerfe.<\/p>\n<p>Dieser positivistisch vorgetragene Ansatz steht in krassem Gegensatz zu<\/p>\n<p>verschiedenen, meist diffusen Programmen einer Malerei des Malens, wel-<\/p>\n<p>che schliesslich in irgendeiner Form der Reduktion und der Negation enden.<\/p>\n<p>Kausels neue Bewegung bedeutet alles andere als das Ende der Malerei und<\/p>\n<p>der Kunst: sie ist deren Wiederaufnahme. Denn &#8222;Der Vorgang des Malens<\/p>\n<p>in Relation zur Qualit\u00e4t der erreichbaren Resultate wurde mehrfach zu erfor-<\/p>\n<p>schen versucht (z.B. von Robert Ryman). Aber bis heute fehlt eine systema-<\/p>\n<p>tische \u00dcbersicht der hierf\u00fcr zu benutzenden Substanzen (wie z.B. Farbe).&#8220;.<\/p>\n<p>(Kausel).<\/p>\n<p>Und dass diese Bewegung auch einen langen Atem haben wird, ist voraus-<\/p>\n<p>sehbar, hat doch Kausel allein an der Untersuchung der 14 blauen und der 8<\/p>\n<p>violetten Farb-Pigmente mehrere Jahre gearbeitet, bevor er sie jetzt in seinen<\/p>\n<p>Ausstellungen im In- und Ausland einem die Farbe wieder entdeckenden<\/p>\n<p>Publikum pr\u00e4sentieren konnte.<\/p>\n<p>Wie elementar, pionierhaft Kausel die Besch\u00e4ftigung mit der Farbe ver-<\/p>\n<p>steht, zeigt sein Vorgehen. Er zeigt auf, wie die Farben wirklich sind, zum<\/p>\n<p>Beispiel als monochrome Fl\u00e4che, aber gleichzeitig auch, wie sie sich verhal-<\/p>\n<p>ten zu chemisch benachbarten Pigmenten. Damit leistet er Vorarbeit zum<\/p>\n<p>Studium der durch Josef Albers in den Sechziger- und Siebzigerjahren wirk-<\/p>\n<p>sam verbreiteten &#8222;Wechselwirkungen der Farbe&#8220;. Kausel pr\u00e4pariert sozuzsa-<\/p>\n<p>gen die &#8222;factual facts&#8220; der Farbwahrnehmung. Das sich auch die<\/p>\n<p>von Albers besonders herausgearbeiteten &#8222;actual facts&#8220; (die psychische<\/p>\n<p>Wirkung) der Wechselwirkungen einstellen, trotz der \u00fcberhaus sachlichen<\/p>\n<p>Behandlung durch Kausel, besteht kein Zweifel. Sie funktionieren auf jeden<\/p>\n<p>Fall organisch.<\/p>\n<p>Zu den Untersuchungen des K\u00fcnstlers z\u00e4hlen selbstverst\u00e4ndlich auch die<\/p>\n<p>denkbar verschiedensten Malgr\u00fcnde, deren Reaktionen &#8211; Interaktionen &#8211;<\/p>\n<p>interessante Vergleiche erm\u00f6glichen und den Spielraum um einige Variab-<\/p>\n<p>len erweitern. Als Demonstrationsobjekte dienen ihm zur Zeit die 14 Blau<\/p>\n<p>auf B\u00fcttenpapieren. Kausel befindet sich in seiner produktiven Phase des<\/p>\n<p>Experiments und der Erprobung. Den pragmatischen Charakter macht er<\/p>\n<p>deutlich sichtbar durch die plakative Benennung der gezeigten Pigmente in<\/p>\n<p>Form gro\u00dfer Chiffren der auch zur Kennzeichnung von Transportkisten<\/p>\n<p>verwendeten Schablonenschrift. So prangt also beispielsweise ein gro\u00dfes &#8222;B<\/p>\n<p>33&#8220; am Rande eines Farbfeldes als der internationale Name des Pigmentes<\/p>\n<p>Barium-Mangan. In solchen Vorg\u00e4ngen erlaubt sich der K\u00fcnstler auch<\/p>\n<p>Scherze und kleine Versteckspiele, indem er ein Zeichen spiegelverkehrt<\/p>\n<p>dreht, um die Lesegeschwindigkeit herabzusetzen, Hilfszeichen hinzusetzt,<\/p>\n<p>um eine bestimmte Leserichtung &#8211; bei Verwendung mehrerer Farben- vor-<\/p>\n<p>zuschlagen. Der Beobachter wird dadurch f\u00fcr ein spezielles Blau gewonnen.<\/p>\n<p>Bei Farbfeldern ohne sichtbaren Aufdruck (der Name des Pigments steht<\/p>\n<p>dann auf der R\u00fcckseite, \u00e4hnlich wie Albers die Farben aus der Tube be-<\/p>\n<p>nennt, der ja f\u00fcr die lapidare Tatsache einer Malerei ohne Symbolik und<\/p>\n<p>Metapher steht), ist die Zuordnung zur monochromen Malerei nicht auszu-<\/p>\n<p>schlie\u00dfen. Der Unterschied besteht in der Intention und dem Konzept. Vor<\/p>\n<p>der monochromen Malerei bekannter Art stehen immer noch die elementa-<\/p>\n<p>ren \u00dcberlegungen von Kausel, sodass sich monochrome Malerei und Farb-<\/p>\n<p>feldmalerei zu den Farbbildaussagen von Kausel abbildm\u00e4ssig verhalten.<\/p>\n<p>Kausel liefert eben die Partitur mit.<\/p>\n<p>Die angef\u00fchrten \u00dcberlegungen m\u00f6gen ein weitres Mal die Frage nach der<\/p>\n<p>Substanz des Konkreten und seiner Rolle in der Konkreten Kunst aufwerfen.<\/p>\n<p>In der Malerei f\u00e4llt diese Rolle zweifellos den Pigmenten und ihrer Ordnung<\/p>\n<p>zu. Die Tieferlegung des Fundaments ist der Schritt vom allgemeinen Konkre-<\/p>\n<p>ten zur elementaren Substanz. Selbst wenn der Begriff des Konkreten wei-<\/p>\n<p>terhin Verwendung findet &#8211; au\u00dferhalb eingeb\u00fcrgerter Institutionen und in &#8211;<\/p>\n<p>ternationaler codes-, wird man ohne den Zusatzbegriff des Elementaren die<\/p>\n<p>wirkliche Sache der Konkreten nicht mehr behandeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Von Grund auf Kunst<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Werk von Thomas P. Kausel<\/strong><\/p>\n<p><strong>Eugen Gomringer<\/strong><\/p>\n<p>Die zunehmende Diskussion in den Bereichen der Konkreten Kunst \u00fcber den<\/p>\n<p>Materialbezug, die materielle Beschaffenheit eines Werks, hat nicht nur den Weg<\/p>\n<p>zum Baumarkt, wo Schrauben gekauft werden, ins Blickfeld r\u00fcckt \u2013 mehr noch ist<\/p>\n<p>es die Farbe als physikalisches und chemisches Ph\u00e4nomen, die zum Mittelpunkt<\/p>\n<p>geworden ist. In seltener Konzentration zeigt sich das am Werk von Thomas P.<\/p>\n<p>Kausel, das hei\u00dft in seiner mit wissenschaftlicher Akribie durchgef\u00fchrten Durchsicht<\/p>\n<p>und teilweisen Neubestellung der (seit 1971) bestehenden Pigmentliste, auf deren<\/p>\n<p>Grundlage er seine Bilder konzipiert. Allerdings nicht nur, aber entscheidend und auf<\/p>\n<p>alle F\u00e4lle auch offensichtlich. Der Titel, den Kausel selbst schon seiner Ausstellung<\/p>\n<p>gab: \u201cFarbe be-kennen\u201d ist tats\u00e4chlich auf die Silbe genau f\u00fcr sein Vorgehen und<\/p>\n<p>auch f\u00fcr sein Be-kenntnis zutreffend. Auch hie\u00df es schon von ihm, ebenso zutreffend,<\/p>\n<p>er w\u00fcrde sich bewu\u00dft in die Karten schauen lassen.<\/p>\n<p>Alle Maler haben sich nicht nur subjektiv, sondern auch mit dem, was sich als<\/p>\n<p>objektive Erkenntnis \u00fcber Farbe w\u00e4hrend der Jahrhunderte angesammelt hat,<\/p>\n<p>besch\u00e4ftigt. In den uns noch nahestehenden Jahrzehnten seit dem Aufbruch der Kunst<\/p>\n<p>in der Nachkriegszeit erscheint die Besch\u00e4ftigung mit der Farbe jedoch als eine<\/p>\n<p>Conditio sine qua non. Dies geschah deutlich in zwei verschiedenen Weisen, in denen<\/p>\n<p>man letztlich den psychologischen Zweig und den materialistischen Zweig<\/p>\n<p>wiedererkennen k\u00f6nnte, wobei sich beide Zweige wiederum differenzierter<\/p>\n<p>Behandlung aussetzten, zum Beispiel sah Josef Albers in der Farbe in erster Linie ein<\/p>\n<p>psychologisches Problem, das in seiner Sublimierung gewi\u00df nichts zu tun hatte mit<\/p>\n<p>der als Mittel zur Erzeugung von Spannung eingesetzten Farbe im action painting.<\/p>\n<p>Andererseits ist die andere Art Proze\u00dfkunst nicht zu \u00fcbersehen, auch wenn sie sich<\/p>\n<p>nicht \u00e4hnlich in Szene zu setzen vermochte \u2013 erinnert wird an die Kunst, die<\/p>\n<p>physikalische, biologische und chemische Prozesse vorsichgehen lie\u00df. Die Farbe<\/p>\n<p>spielte dabei nicht in dem Ma\u00dfe eine Rolle, wie dies in einer Ausstellung im Jahr<\/p>\n<p>1970 (eingerichtet und geleitet von Dietrich Mahlow und Eberhard Roters) in<\/p>\n<p>N\u00fcrnberg der Fall war. Die Ausstellung stand unter dem Thema \u201cDer Bildungstrieb<\/p>\n<p>der Stoffe\u201d und ging von den Untersuchungen des Chemikers Friedlieb Ferdinand<\/p>\n<p>Runge (1794 \u2013 1867) aus. Das Thema der Ausstellung war dabei der Buchtitel seiner<\/p>\n<p>Publikation, die ein chemisches Bilderbuch mit Kommentaren war. Worum es Runge<\/p>\n<p>ging, zeigt das folgende Zitat: Der Bildungstrieb mal in seiner Art nicht nur besser,<\/p>\n<p>als irgendein Maler malen kann, sondern er macht sich auch die Farben selbst, daher<\/p>\n<p>die wunderbaren, unnachahmlichen Farbent\u00f6ne, eben weil dem Maler die Farben<\/p>\n<p>dazu fehlen. \u2013 Die Entstehung des Bildes f\u00e4llt also mit der Entstehung der Farbe<\/p>\n<p>zusammen oder umgekehrt: indem sich die Farbe, d.h. die gef\u00e4rbte Verbindung aus<\/p>\n<p>den chemisch entgegengesetzten Stoffen bildet, gestaltet sich das Bild. Die chemische<\/p>\n<p>Wechselersetzung der Stoffe mu\u00df also von bestimmten Bewegungen begleitet sein,<\/p>\n<p>die nach und nach als Bild zur Ruhe kommen, aber erst ganz aufh\u00f6ren, wenn alles<\/p>\n<p>trocken geworden; man kann sagen, das noch nasse Bild lebt noch, weil es<\/p>\n<p>wenigstens am Rande noch \u201cw\u00e4chst\u201d.<\/p>\n<p>Auch wenn Kausel den \u201cBildungstrieb\u201d der Farbe nur als eine M\u00f6glichkeit,<\/p>\n<p>der Farbe zu ihrem Recht zu verhelfen, erw\u00e4gt \u2013 \u201cman mu\u00df sich befreien und es ihr<\/p>\n<p>erm\u00f6glichen, eine Fl\u00e4che zu erobern, zu besetzen, damit sie zeigen kann, welche<\/p>\n<p>Qualit\u00e4ten in ihr stecken\u201d (Kausel)-, so ist auch bei ihm die Objektivierung der Farbe<\/p>\n<p>bzw. ihre Verselbst\u00e4ndigung die vornehmliche Art, ihr zu begegnen, mit ihr<\/p>\n<p>umzugehen. Als direkter Gegenpart zu ihm innerhalb der Farbe-Bekenner unter den<\/p>\n<p>K\u00fcnstlern ist andererseits der gro\u00dfe Empiriker der Farbe, Josef Albers, anzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Zwei Punkte, die er seinem fundamentalen Werk \u201cInteraction of color\u201d von 1963 mit<\/p>\n<p>auf den Weg gab, stellen es klar: \u201cFarbe ist nicht in erster Linie ein physikalisches,<\/p>\n<p>sondern ein psychologisches Ph\u00e4nomen. Wir sehen Farbe fast nie als das, was sie ist;<\/p>\n<p>Farbe ist deshalb das relativste Medium der Kunst und es gibt nie nur eine einzige<\/p>\n<p>L\u00f6sung f\u00fcr visuelle Formulierungen.\u201d Trotz dieser Akzentsetzung auf das<\/p>\n<p>psychologische Ph\u00e4nomen Farbe und der Verlagerung ihrer Erscheinung in die<\/p>\n<p>Wahrnehmung, mag sich f\u00fcr Kausel damit ehr ein Ring schlie\u00dfen als eine<\/p>\n<p>un\u00fcberwindliche Entzweiung entstehen lassen. auch der Aspekt, den der Schweizer<\/p>\n<p>\u201cD\u00e4mon der Farbe\u201d, Karl Gerstner, zu einem wahren Wissenschaftszweig<\/p>\n<p>ausgearbeitet hat: die Formen der Farben, die Ausdruckskraft von Farben und Formen<\/p>\n<p>und ihre Wirkung aufeinander, leistet Hilfestellung, wenn denn die Eigenschaften der<\/p>\n<p>Farbpigmente von Grund auf die Gestalt Konkreter Bilder bestimmen sollen. Denn<\/p>\n<p>nach Kausel ist ein Objekt an der Wand letztlich nur mit Farbmaterie bedeckte<\/p>\n<p>Leinwand, was sicher auch Max Bense gebilligt h\u00e4tte, der auch schon mal theoretisch<\/p>\n<p>die ganze Malerei auf ein Transportproblem reduziert hatte: auf den Transport von<\/p>\n<p>Farbe von der Palette oder der Tube zu bestimmten Stellen auf Leinw\u00e4nden.<\/p>\n<p>Kausels Besch\u00e4ftigung mit Farbe und Malerei ist leidenschaftliches Suchen und<\/p>\n<p>Experimentieren. Dabei macht er seine Entdeckungen, und sein ganzes Arbeiten ist<\/p>\n<p>ein einziges work in progress. Mit ein Grund, da\u00df es in seiner Person zu diesem<\/p>\n<p>echten Grundlagenstudium -neuerdings ausgeweitet auf Papier \u2013 und Oberfl\u00e4chen-<\/p>\n<p>probleme \u2013 kam, mag sein Einstieg in die Kunst der Malerei sein. Da war keine satte<\/p>\n<p>Akademieausbildung am Anfang, sondern es war der Kameramann von Beruf, der<\/p>\n<p>sich der Malfl\u00e4che n\u00e4herte. So weit n\u00e4herte, da\u00df er die Malfl\u00e4che mit der Farbe nicht<\/p>\n<p>als Darstellung von irgendwelche Projektionen erlebte, sondern als Materialqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Malerei studierte er eigentlich als Nachholbedarf. Die Sommerakademie Salzburg bot<\/p>\n<p>ihm Kurse bei Vedova, Chia u.a., ja er studierte bei so unterschiedlichen Naturen wie<\/p>\n<p>G.K.Pfahler und Hermann Nitsch. Anders als diese Lehrer ging er jedoch den<\/p>\n<p>Dingen, die schlie\u00dflich Malerei darstellen, mit wissenschaftlicher Neugier auf den<\/p>\n<p>Grund. Im Kern der heute weitgespannten Sph\u00e4re der Konkreten Kunst war<\/p>\n<p>wissenschaftliche N\u00e4he, ja propagierte Symbiose von Kunst und Wissenschaft immer<\/p>\n<p>eine Idealvorstellung, die auch bei einzelnen K\u00fcnstlern, wenn auch wenig gew\u00fcrdigt<\/p>\n<p>weder von der einen noch der anderen Seite, eine neue Funktion \u00fcbernahm. Mit der<\/p>\n<p>Arbeit von Kausel wird diese Bestrebung intensiver denn je, das hei\u00dft in einer<\/p>\n<p>Verbindung von Wahrnehmung mit Materialstudium fortgesetzt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Herstellung eines Bildes \u2013 so sachlich ist der Vorgang zum Teil \u2013<\/p>\n<p>bewegt Kausel einen Komplex von objektiver Information und subjektiven<\/p>\n<p>Entscheidungen. Der Chemiker Runge und der subjektive Empiriker Josef Albers<\/p>\n<p>leben auf in dem, was Kausel fortsetzt in seinen Versuchen, die Malerei von Grund<\/p>\n<p>auf neu zu beleben. Es treffen sich in einer Analyse folgende Komponenten: Die, wie<\/p>\n<p>gesagt, akribisch durchforstete Pigment-Liste ist gewi\u00df die Grundlage, die man sich<\/p>\n<p>bei dem K\u00fcnstlerin M\u00fcnchen einholen kann. Und da Maler nun mal nicht mit<\/p>\n<p>Farbstoffen, sondern mit Pigmenten arbeiten, sollte man wirklich einmal den Blick<\/p>\n<p>des Betrachters auf das \u201cBildermachen\u201d lenken, um der Wirklichkeit der Kunstn\u00e4her<\/p>\n<p>zu kommen, bevor diffizile Fragen des Weiterlebens der Kunst \u00fcberhaupt diskutiert<\/p>\n<p>werden \u2013 aus spezifisch Konkreter Sicht scheint das Eine ohne das andere nicht<\/p>\n<p>m\u00f6glich zu sein.<\/p>\n<p>Dennoch: malen mu\u00df der Pigment-bewu\u00dfte K\u00fcnstler auch im Sinne einer<\/p>\n<p>Bildordnung. Kausel hat eine Konzeption daf\u00fcr entwickelt, wie auf einer Leinwand<\/p>\n<p>die Welt in natur und Geist sich sinnvoll spiegelt. Was er urspr\u00fcnglich der sichtbaren<\/p>\n<p>Natur entnommen hat, Landschaft und Meer, hat er in die Symbolik von Gr\u00fcn und<\/p>\n<p>Blau transformiert. Die Farbtonskala Magenta-Rot-Orange-Warmgelb erinnert an den<\/p>\n<p>weiblichen K\u00f6rper. Er denkt an Landschaft, wenn er die Farbe Gr\u00fcn w\u00e4hlt, l\u00e4\u00dft sich<\/p>\n<p>von ihr inspirieren. auch denkt er horizontal, wenn er Landschaft, also blau und gr\u00fcn,<\/p>\n<p>denkt. Die Vertikale dient er Teilung, die Rauenform ist weiblich. Das ist einfach<\/p>\n<p>und signifikant. Und es l\u00e4\u00dft Freiraum, um sich dem Aufbau der Farbe zu widmen.<\/p>\n<p>Aber Kausel spricht eigentlich nicht gern vom Malen von Bildern. Das Ganze findet<\/p>\n<p>f\u00fcr ihn eher auf einer B\u00fchne statt, bzw. stellt er eine Art B\u00fchnen her. In diesem Fall<\/p>\n<p>w\u00e4re er Regisseur, der \u00fcber Darsteller, Licht, geistige Substanz, bewegliche<\/p>\n<p>B\u00fchnenbilder zu verf\u00fcgen h\u00e4tte. W\u00e4hrend alle diese Vorstellungen sicht nicht fixieren<\/p>\n<p>lassen und das Bewegliche an der Herstellung eines Bildes stiften, ist die Wirklichkeit<\/p>\n<p>des Bildermachens auf alle F\u00e4lle aufgehoben in den Pigmenten.<\/p>\n<p>Und das ist eine Welt. Kausel treibt Aufkl\u00e4rung seit Jahren und hilft seinen Kollegen<\/p>\n<p>mit detaillierten Informationen der immer wieder verbesserten Pigment-Liste, wobei<\/p>\n<p>er, wie angedeutet, die eine Liste, die der anorganischen Pigmente, welche der<\/p>\n<p>amerikanische Colour Index C.I. vorwiegend alphabetisch anbietet, in eine<\/p>\n<p>systematische \u00dcbersicht \u201cunter Anlehnung an das Periodische System der Elemente,<\/p>\n<p>gruppiert in 10 Gruppen (nach H. Kittel 3.211 Systematik(\u201d ab\u00e4nderte. Er zeigt aber<\/p>\n<p>eben auch als Maler und Teilnehmer vieler Ausstellungen, was das Malen mit<\/p>\n<p>Pigmenten denn nun wirklich bringt. Es lohnt sich, wie nur in wenigen F\u00e4llen, die<\/p>\n<p>Einladungskarten zu seinen Ausstellungen aufzubewahren und sich ihrer bis zum<\/p>\n<p>Kleingedruckten anzunehmen. Es ist dies ein neuer Zugang zur Kunst \u2013 und auch ein<\/p>\n<p>altbew\u00e4hrter.<\/p>\n<p>Kausel demonstriert mit eigenen Beispielen, was es hei\u00dft, \u201cbewu\u00dft in die<\/p>\n<p>Karten schauen zu lassen\u201d. Auf einer zweigeteilten ungerahmten Fl\u00e4che ist auf der<\/p>\n<p>einen H\u00e4lfte mit gro\u00dfem Schablonendruck wie einer Verpackung \u201cR 112\u201d<\/p>\n<p>(Handelsname Naphtolrot) angezeigt. Der Code ist der Liste der Rot-Pigmente<\/p>\n<p>entnommen. Die andere H\u00e4lfte ist monochrom mit eben dieser Farbe bemalt. Von<\/p>\n<p>zwei daneben stehenden kleinen Tafeln ist die eine, frei von Beschriftung, mit einer<\/p>\n<p>anderen Farbe (n\u00e4mlich \u201cR 122 Chinacridon-Magenta\u201d), die andere hingegen wieder<\/p>\n<p>mit Naphtolrot bemalt. Es sind monochrome Bilder, hochformatige Rechtecke. Damit<\/p>\n<p>nicht genug. Rot hat von Kausel auch die Symbolik \u201cweibliches Fleisch\u201d zugeordnet<\/p>\n<p>bekommen, und \u00fcberdies \u2013 formal \u2013 die Rautenform. An der gleichen Wand h\u00e4ngen<\/p>\n<p>zwei auf die Spitze gestellte Quadrate, die, geteilt durch eine senkrechte Diagonale,<\/p>\n<p>die beiden Farben \u201cR 112\u201d und \u201cR122\u201d vorzeigen, und zwar abwechselnd links und<\/p>\n<p>rechts. Eine runde, perfekte Demonstration vom Pigment-Code zur romantisch-<\/p>\n<p>symbolischen Malerei! \u00c4hnlichen Verfahren begegnet man auch auf Leinw\u00e4nden.<\/p>\n<p>Es scheinen allerdings die Papierarbeiten den K\u00fcnstler in letzter Zeit<\/p>\n<p>besonders zu besch\u00e4ftigen. Er ist dem handgesch\u00f6pften B\u00fcttenpapier geradezu<\/p>\n<p>verfallen und versucht mit ihm im Verein mit der Farbe etwas zu erreichen, nein ihm<\/p>\n<p>abzuringen, das letzte Steigerungen erm\u00f6glicht. Es mu\u00df gestattet sein, den K\u00fcnstler<\/p>\n<p>selbst zu zitieren: \u201cSchleifen: Seit einigen Monaten (Brief datiert vom 26.10.1998)<\/p>\n<p>schleife ich manchmal das (strukturierte, also teilweise erhabene) Papier, um die<\/p>\n<p>Fasern zu verletzen. An diesen geschliffenen Partien des Papiers wird mehr<\/p>\n<p>Farbsubstanz vom Papier aufgesaugt \u2013 hier wird die Papierfaser sozusagen innerlich<\/p>\n<p>mit Farbe angereichert. Bei transparenten\/lasierenden Pigmenten erscheint der hier<\/p>\n<p>dickere Farbfilm dunkler und die S\u00e4ttigung des Farbtons nimmt zu.\u201d. (Das Wort<\/p>\n<p>\u201cverletzen\u201d ist \u00fcbrigens vom K\u00fcnstler unterstrichen worden). Alle Aussagen von<\/p>\n<p>Thomas P. Kausel deuten auf den prozessualen Charakter seiner Arbeit hin. Er<\/p>\n<p>verbindet sein Leben mit der Entdeckung von Erkenntnissen oft in kleinen Schritten.<\/p>\n<p>Kausel hat also statt von Malerei wiederholt von B\u00fchne und Podium<\/p>\n<p>gesprochen, auf denen die sich darstellende, pr\u00e4sentierende Farbe agiert. Und er hat<\/p>\n<p>sich auch die Frage vorgelegt, die sich vermutlich im Umgang mit B\u00fchne und Theater<\/p>\n<p>eher stellt als in der Malerei, was denn das Werk \u00fcberhaupt f\u00fcr einen Zweck h\u00e4tte?<\/p>\n<p>Ist er mit seinen Untersuchungen und ihrer Darstellung an Grenzen gesto\u00dfen? Aber<\/p>\n<p>sein Interesse geht weiter, denn \u201cWird ein nur an der Oberfl\u00e4che geleimtes Papier<\/p>\n<p>geschliffen, so erscheint im Gegenteil die verletzte Stelle heller, denn: Offenbar<\/p>\n<p>verteilt sich die aufgetragene Farbmenge auf ein gr\u00f6\u00dferes Volumen an Papierfasern<\/p>\n<p>(in der Tiefe der gesamten Papiermasse), anstatt sich nur auf begrenzter Oberfl\u00e4che<\/p>\n<p>beim Trocknen zu verdichten\u201d. Es ist jedem Betrachter von Kunst wert, sich mit<\/p>\n<p>solchen vom K\u00fcnstler gemachten Erfahrungen ebenfalls vertraut zu machen. War das<\/p>\n<p>nicht fr\u00fcher \u00e4hnlich mit den verschiedenen \u00c4tzungen und den Farbablagerungen, dem<\/p>\n<p>Grat auf beiden Seiten?<\/p>\n<p>Sollte die Frage Kausels \u00fcber den Zweck solchen Tuns, nach dem Forschen nach<\/p>\n<p>immer h\u00f6herer Qualit\u00e4t jedoch das Existentielle \u00fcberhaupt ber\u00fchren, m\u00fcssen seine<\/p>\n<p>Arbeit, sein Werk gesehen werden im Zusammenhang mit der Erweiterung der<\/p>\n<p>\u00dcbermittlung von Botschaften, die auf neuen Codes, auf einer neuen Universalebene<\/p>\n<p>beruhen. Vielleicht erbringt der ehemalige Kameramann und Fotograf letzte genuine<\/p>\n<p>Leistungen der Malerei, im Vergleich wenigstens zu den Technobildern unserer<\/p>\n<p>Alltagswelt. Auf alle F\u00e4lle ist seine Arbeit auch im Rahmen einer neu kodifizierten<\/p>\n<p>Welt zu bewerten. Denn was der ATLAS von Gerhard Richter f\u00fcr sein Werk<\/p>\n<p>bedeutet, das bedeutet der Pigment-\u201cAtlas\u201d von Kausel ebenso f\u00fcr dessen Werk, und<\/p>\n<p>\u00fcberdies f\u00fcr alle Malerei, die sich auf Grundlagen besinnt.<\/p>\n<p>Eugen Gomringer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Zu den Arbeiten von Thomas P. Kausel Konkrete Kunst &#8211; Elementare Kunst von Eugen Gomringer Die fortgesetzten theoretischen Untersuchungen der Farbordnungssysteme, ausgehend von den knapp 200 weltweit bekannten Pigmenten hoher Licht- echtheit, durch Thomas P. 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